Das Flexrohr am Auspuff sitzt bei vielen Lkw und Sattelzugmaschinen zwischen Turboladeraustritt und Abgasanlage. Es gleicht die Relativbewegung zwischen Motor und Fahrgestell, Vibrationen und die Wärmeausdehnung der Abgasanlage aus, damit diese Lasten nicht auf Turboladeraustritt und Rohranschlüsse übertragen werden. Ist es geplatzt, fallen ein mit dem Gasgeben lauter werdendes Blasgeräusch, Abgasgeruch im Fahrerhaus und Rußspuren am flexiblen Teil auf.
Kurz gesagt:
- Das Flexrohr ist ein flexibles Verbindungsteil, das die Bewegung zwischen Motor und Abgasanlage sowie die Wärmeausdehnung ausgleicht; es sitzt bei vielen Lkw nahe dem Turboladeraustritt und trägt nicht das Gewicht der Anlage.
- Ein geplatztes Flexrohr erkennt man an einem mit dem Gasgeben lauter werdenden Blasgeräusch, Abgasgeruch im Fahrerhaus, Rußspuren am flexiblen Teil und gerissenen Geflechtdrähten.
- Frühe Ausfälle gehen meist auf nicht fluchtenden oder verspannten Einbau, verschlissene Motorlager, gebrochene Auspuffhalter und Korrosion zurück.
- Ein Riss im flexiblen Teil lässt sich nicht dauerhaft durch Schweißen oder Band beheben; das Flexrohr wird spannungsfrei ersetzt und die Ursache des Defekts beseitigt.
Flexrohr Auspuff: Wozu dient es?
Das Flexrohr (auch Abgasbalg oder Entkopplungselement, in der Werkstatt kurz „Flex“) ist ein flexibles Verbindungsteil, das die Bewegung zwischen Motor und Abgasanlage sowie die Wärmeausdehnung ausgleicht. Der Motor schwingt auf seinen Lagern beim Anfahren, beim Schalten und auf schlechter Straße; die Abgasanlage dagegen ist am Fahrgestell befestigt und dehnt sich beim Erwärmen aus. Das Flexrohr gleicht diesen Unterschied durch Nachgeben aus. Bei einer starren Verbindung würden diese Kräfte auf Turboflansch und Rohranschlüsse wirken.
Bei Lkw findet man zwei Grundbauarten. Bei der ersten sorgt ein mehrlagiger, gewellter Edelstahl-Faltenbalg für die Gasdichtheit. Das darüber liegende Drahtgeflecht begrenzt zu starkes Auslenken und schützt den Balg vor Steinschlag; das Innenrohr (Liner) glättet die Strömung und schützt den Balg vor dem heißen Gasstrom. Die zweite Bauart ist ein mehrlagiger Metallschlauch, bei dem ein Profilband wendelförmig verfalzt gewickelt ist (Wickelschlauch oder Agraffschlauch). Dieser Typ wird bei Nutzfahrzeugen auch allein eingesetzt und ist weniger gasdicht als ein Balg; eine leichte Undichtigkeit und Rußspuren können hier konstruktionsbedingt auftreten.
Wo sitzt das Flexrohr der Abgasanlage?
Das Flexrohr sitzt bei vielen Lkw zwischen dem Austrittsrohr des Turboladers und dem Rohr zum Schalldämpfer oder zur Abgasnachbehandlungseinheit (Einheit mit Dieselpartikelfilter DPF und/oder SCR-Katalysator), meist nahe dem Turboladeraustritt. Lage und Anzahl variieren je nach Fahrzeug; die genaue Stelle zeigen der Teilekatalog oder das Servicedokument. Das Flexrohr ist kein tragendes Teil: Damit das Gewicht der Anlage nicht auf Flexrohr und Turbolader lastet, ist in seiner Nähe ein Halter oder eine Konsole zu erwarten, die die Anlage trägt. Bei langen oder senkrecht geführten Anlagen kann es mehrere flexible Verbindungen geben.
Der Zustand der Motorlager wirkt sich unmittelbar auf die Belastung des Flexrohrs aus. Ist ein Lager verschlissen oder gerissen, kann die Motorbewegung größer werden, und das Flexrohr wird stärker ausgelenkt, als es konstruktiv vorgesehen ist. Da das Flexrohr bei vielen Fahrzeugen unter oder nahe dem Fahrerhaus sitzt, kann Abgas aus einem Leck dort über Öffnungen im Fahrerhausboden ins Innere gelangen.
Woran erkennt man ein geplatztes Flexrohr?
Ein geplatztes Flexrohr erkennt man an einem mit dem Gasgeben lauter werdenden Blasgeräusch, Abgasgeruch im Fahrerhaus, Rußspuren am flexiblen Teil und gerissenen Geflechtdrähten. Weil das Leck vor dem Schalldämpfer liegt, entweicht das Geräusch ungedämpft; es tritt meist unter Last deutlich hervor. Da der Balg von den inneren Lagen her reißen kann, ist außen nicht immer ein Riss sichtbar, der Geruch im Fahrerhaus kann trotzdem auftreten. Sitzt die Auspuffbremsklappe hinter dem Flexrohr, entweicht der Druck vor der Klappe über das Leck, und die Wirkung der Motorbremse (Auspuffbremse) lässt nach.
| Anzeichen | Mögliche Ursache | Prüfung und Maßnahme |
|---|---|---|
| Mit dem Gasgeben lauter werdendes Blasgeräusch | Riss im Flexrohr, lose Schelle oder defekte Dichtung | Bei kaltem Motor Flexrohr, Flansch und Schellen auf Rußspuren prüfen |
| Abgasgeruch im Fahrerhaus | Undichtigkeit am Flexrohr oder an einem anderen Anschluss der Abgasanlage | Fahrzeug nicht weiter benutzen; Leckstelle und Durchführungen im Fahrerhausboden prüfen lassen |
| Bei Balg-Bauart Rußring oder starker Ruß in der Mitte des flexiblen Teils | Riss im Balg | Flexrohr wechseln |
| Bei Balg-Bauart Ruß nur im Bereich der Schweißnaht am Ende | Nadelloch oder schwache Schweißnaht | Unterscheiden, ob das Leck von der Flanschdichtung oder von der Schweißnaht kommt; liegt es an der Naht, Flexrohr wechseln |
| Gerissene Geflechtdrähte; gequetschtes, verbogenes oder verdrehtes Aussehen | Fluchtungsfehler beim Einbau, zu starke Auslenkung, Stoßeinwirkung von außen | Fluchtung aus zwei zueinander senkrechten Blickrichtungen prüfen; Motorlager und Halter kontrollieren |
| Scheuerspuren am Turborohr durch Kontakt mit Rahmen, Fahrerhaus oder Rahmenquerträger | Verschlissenes oder gerissenes Motorlager | Motorlager prüfen; nachsehen, ob am Flexrohr ein Schaden entstanden ist |
Ob das Leck am Krümmer oder am Flexrohr sitzt, lässt sich meist an der Lage der Rußspuren erkennen. Ruß am Flansch und an den Dichtungen zwischen Zylinderkopf und Turbolader weist auf einen Riss im Abgaskrümmer oder eine undichte Krümmerdichtung hin; dann muss am Auspuffkrümmer und seinen Dichtungen gearbeitet werden. Spuren hinter dem Turboladeraustritt führen dagegen zum Flexrohr und seinen Anschlüssen.
Warum fällt das Flexrohr vorzeitig aus?
Das Flexrohr fällt vor allem dann früh aus, wenn Einbau und Fahrzeugzustand es über seine Auslegungsgrenzen hinaus beanspruchen; ein neues Flexrohr, das ohne Beseitigung dieser Bedingung eingebaut wird, fällt ebenfalls bald wieder aus.
- Fluchtungsfehler oder verspannter Einbau: Ein Flexrohr, das mit Achsversatz, schräg oder verdreht eingebaut, in der Länge gestaucht oder gedehnt wird, trägt bei jeder Bewegung zusätzliche Last. Schon eine kleine Fehlstellung kann die Lebensdauer deutlich verkürzen.
- Verschlissenes Motorlager: Ein verschlissenes Lager kann die Motorbewegung vergrößern; Scheuerspuren am Turborohr können darauf hinweisen.
- Gebrochener Halter, gebrochene Konsole, lose Schelle: Gewicht und Vibration der Anlage lasten dann auf Flexrohr und Turbolader.
- Korrosion: Streusalz und Feuchtigkeit können selbst bei einem Edelstahlbalg Lochfraß und Spannungsrisskorrosion verursachen.
Worauf ist beim Wechsel des Flexrohrs zu achten?
Bei einem Flexrohr mit Riss im flexiblen Teil ist der Wechsel die dauerhafte Lösung; Auspuffbandage und Dichtpaste gelten nicht als dauerhafte Reparatur. Ob der Wechsel gelingt, hängt davon ab, dass das neue Teil spannungsfrei eingebaut wird und die Ursache des Defekts beseitigt ist.
Sicherheit: Abgasteile bleiben nach dem Abstellen des Motors lange heiß; beginnen Sie die Arbeit am kalten Motor. Sichern Sie das Fahrzeug auf ebenem Boden mit angezogener Feststellbremse, Unterlegkeilen an den Rädern und ausgeschaltetem Motor; schalten Sie den Batteriehauptschalter aus und bringen Sie am Lenkrad einen Warnhinweis „Nicht starten“ an.
Soll das Fahrerhaus gekippt werden, beachten Sie die Anweisung des Herstellers und arbeiten Sie nicht darunter, solange es nicht vollständig gekippt und verriegelt ist. Starten Sie den Motor nicht in einem geschlossenen Raum ohne Abgasabsaugung; das Kohlenmonoxid im Abgas ist farb- und geruchlos.
- 1. Schwere Teile wie Schalldämpfer oder Abgasnachbehandlungseinheit mit geeignetem Hebezeug abstützen, danach die Schellen des Flexrohrs und gegebenenfalls die Halter lösen.
- 2. Flanschflächen reinigen; Dichtungen erneuern, verschlissene oder verformte Schellen ersetzen.
- 3. Das neue Flexrohr locker einsetzen, ohne die Schellen anzuziehen; ist ein Durchflusspfeil aufgebracht, muss er in Strömungsrichtung des Abgases zeigen.
- 4. Die Anlage ausrichten: Das Flexrohr muss gerade, an beiden Enden auf einer Achse und ohne Verdrehung sitzen; es darf weder gestaucht noch gedehnt werden. Das Flexrohr nicht verspannen oder verbiegen; gegebenenfalls die Lage des Turbo-Austrittsrohrs oder des Schalldämpferanschlusses anpassen. Die Fluchtung aus zwei zueinander senkrechten Blickrichtungen prüfen; aus nur einer Richtung ist eine Schiefstellung in der Blickebene nicht zu sehen.
- 5. Die Schellen in der vom Hersteller angegebenen Reihenfolge und mit dem vorgegebenen Drehmoment anziehen; die Schelle nicht benutzen, um Teile gegeneinander zu ziehen.
- 6. Motorlager und Halter kontrollieren. Den Motor im Freien oder in einem Bereich mit Abgasabsaugung starten und die Anschlüsse auf Undichtigkeiten prüfen, ohne drehende Teile und heiße Oberflächen zu berühren und ohne die Hand an den Gasaustritt zu halten. Eine vorhandene Hitzeschutzmatte wieder anbringen.
Worauf achtet man bei der Auswahl des Flexrohrs?
Das richtige Flexrohr ist das Teil, das zur Herstellernummer (OEM-Nummer) des Fahrzeugs passt und in den Abmessungen exakt dem ausgebauten Teil entspricht. Ist die Nummer nicht bekannt, braucht man Fahrgestellnummer (VIN), Baujahr und Motortyp, denn Unterschiede wie Abgasnorm und Abgasausstattung können selbst beim selben Modell ein anderes Flexrohr erfordern. Da Hersteller Teile mit der Zeit überarbeiten können, sollte auch die aktuelle Entsprechung einer alten Nummer geprüft werden.
- Maße: Innendurchmesser, Gesamtlänge und Länge des flexiblen Teils müssen mit dem ausgebauten Teil übereinstimmen; ein zu kurzes Flexrohr bleibt gespannt, ein zu langes gestaucht.
- Anschlussart: V-Schellen-Flansch, Steckende mit Schelle oder Schweißende; Durchmesser und Anschlussart der beiden Enden können unterschiedlich sein.
- Bauart: Prüfen, ob es ein Teil mit Balg, Geflecht und Innenrohr oder ein Wickelschlauch ist; falls vorhanden, auch Durchflusspfeil und Hitzeschutzschicht beachten.
- Schelle und Dichtung: Zur Anschlussart passende Auspuffschelle und neue Dichtung.
Flexrohre, Abgasrohre und Schellen lassen sich im MPT-Katalog über die OEM-Nummer suchen; vergleichen Sie Durchmesser und Länge mit dem ausgebauten Teil. Gibt es Abgasgeruch im Fahrerhaus, hat die Motorbremse nachgelassen oder ist das Flexrohr kurz nach dem Wechsel erneut geplatzt, sollte das Fahrzeug in die Werkstatt, und die Kontrolle sollte Motorlager, Halter und Fluchtung einschließen.