Ist der Ölkühler undicht, vermischen sich Motoröl und Kühlmittel: Bei laufendem Motor drückt der meist höhere Öldruck Öl in den Kühlkreislauf, im Ausgleichsbehälter bildet sich eine braune, ölige Schicht. Nach dem Abstellen kann Kühlmittel durch den Restdruck ins Öl sickern, das Öl wird zur milchkaffeebraunen Emulsion. Die Folgen sind ein geschwächter Schmierfilm, das Risiko von Lager- und Turboladerschäden und eine Neigung zur Überhitzung.

Kurz gesagt:

  • Der Ölkühler ist beim Lkw ein meist seitlich am Motorblock sitzender Wärmetauscher, der die Wärme des Motoröls an das Kühlmittel abgibt.
  • Ist er undicht, kann bei laufendem Motor Öl in den Kühlkreislauf und nach dem Abstellen Kühlmittel ins Öl gelangen.
  • Öl im Kühlmittel ohne Verbrennungsgas deutet zuerst auf den Ölkühler; ständige Blasen und weißer Rauch sprechen eher für die Zylinderkopfdichtung.
  • Ein innen undichter Ölkühler wird nicht repariert, sondern getauscht; die Dichtungen werden erneuert, Öl- und Kühlkreislauf gereinigt.

Wozu dient der Ölkühler, und wo sitzt er beim Lkw?

Der Ölkühler ist ein Wärmetauscher, der die Wärme des Motoröls an das Kühlmittel abgibt und das Öl so auf Betriebstemperatur hält.

Beim Lkw ist die Bauart mit Kühlmittel (Flüssigkeit-Öl) der Standard. Der Kühler sitzt meist seitlich am Motorblock, in einem Modul zusammen mit dem Ölfiltergehäuse oder unter dem seitlichen Blockdeckel. Bei aktuellen Motoren überwiegt der Plattenkühler mit dünnen Platten, bei einigen kommt ein Rohrbündelkühler zum Einsatz.

Öl und Kühlmittel trennen nur dünne Metallwände und Dichtungen; deshalb vermischen sich beide Flüssigkeiten bei einem Defekt. Wegen der großen Öl- und Kühlmittelmengen beim Lkw fällt eine kleine innere Undichtigkeit bei der Füllstandskontrolle spät auf; Flotten mit regelmäßiger Ölanalyse erhalten den ersten Hinweis unter Umständen aus dem Analysebericht. Der Wärmetauscher, der Getriebe- oder Retarderöl kühlt, ist ein eigenes Bauteil; dieser Beitrag behandelt den Motorölkühler.

Was passiert, wenn der Ölkühler undicht ist? Symptome im Überblick

Bei einem undichten Ölkühler verläuft der Schaden in zwei Richtungen: Öl gelangt in den Kühlkreislauf, oder Kühlmittel vermischt sich mit dem Öl.

Auf der Kühlmittelseite

Im Ausgleichsbehälter zeigen sich brauner, öliger Schaum oder eine schwimmende Schicht. Öl, das in den Kühlkreislauf gelangt, überzieht die Innenflächen von Kühler und Heizungswärmetauscher und verschlechtert die Wärmeübertragung; ein undichter Ölkühler führt deshalb nicht direkt, sondern auf diesem Weg oder durch Kühlmittelverlust zur Überhitzung. Schläuche und Dichtungen, die mit Öl in Berührung kommen, können aufweichen und aufquellen. Die Farbe des Kühlmittels hängt von der Sorte ab und ist allein kein Kriterium; das eigentliche Zeichen ist das Öl an der Oberfläche.

Auf der Ölseite

Am Ölmessstab und unter dem Einfülldeckel bildet sich eine milchkaffeefarbene oder beige Emulsion; der Ölstand kann steigen. Ein steigender Ölstand kann auch von Dieselkraftstoff im Öl stammen; Geruch und Ölanalyse unterscheiden beide Möglichkeiten. Glykol kann Ablagerungen bilden und den Filter zusetzen, der dünner werdende Schmierfilm erhöht das Risiko von Schäden an Haupt- und Pleuellagern sowie am Turboladerlager. Im fortgeschrittenen Stadium kann die Öldruckwarnung aufleuchten.

Äußere Undichtigkeit

Am Ölkühlerdeckel oder an der Gehäusefuge seitlich am Block sind Ölspuren und Ölverlust zu sehen. Die Quelle findet man über den höchsten Punkt der Ölspur; nach unten laufendes Öl lässt sich mit einer undichten Ölwannendichtung verwechseln. Öl, das auf heiße Abgas- und Turboladerteile tropft, birgt Brandgefahr; auf die Fahrbahn gelangtes Öl kann zum Rutschen führen.

Anzeichen eines defekten Ölkühlers, kurz zusammengefasst:

  • Kühlmittelverlust ohne äußere Undichtigkeit
  • Öl im Ausgleichsbehälter
  • Steigender Ölstand und veränderte Ölfarbe
  • Bei Fahrzeugen mit Anzeige: hohe Öltemperatur (verstopfter Kühler oder Ölthermostat, defektes Bypassventil)
  • Wiederkehrende Überhitzung und Öldruckwarnung

Keines dieser Anzeichen ist allein eine Diagnose; die Quelle wird mit den folgenden Tests bestätigt.

Wasser im Öl: Ölkühler oder Zylinderkopfdichtung?

Ist Öl im Kühlmittel, aber kein Verbrennungsgas, ist zuerst der Ölkühler verdächtig; ständige Blasen im Ausgleichsbehälter, ein unter Druck stehender Kühlkreislauf und weißer Rauch sprechen eher für die Zylinderkopfdichtung oder einen Riss im Zylinderkopf. Die Tabelle fasst allgemeine Tendenzen zusammen; je nach Motorbauart gibt es Ausnahmen.

BefundInnere Undichtigkeit am ÖlkühlerZylinderkopfdichtung / Riss im ZylinderkopfSo wird bestätigt
Öl im Ausgleichsbehälter, brauner SchaumHäufig; entsteht bei laufendem MotorMöglich (bei Motoren, bei denen ein Ölkanal durch die Dichtung führt), seltenerDruckprüfung des ausgebauten Ölkühlers
Milchkaffeefarbene Emulsion im Öl, steigender ÖlstandMöglich; meist nach dem Abstellen des MotorsMöglichÖlanalyse (Glykol, Natrium, Kalium), Ölstand beobachten
Ständige Blasen im Ausgleichsbehälter, auffallend harte Schläuche, Kühlmittel wird aus dem Behälter gedrücktNicht zu erwartenTypischVerbrennungsgas-Test (CO2)
Weißer, süßlich riechender Rauch im Abgas; Laufunruhe beim KaltstartNicht zu erwartenTypisch (wenn Kühlmittel in den Zylinder gelangt)Zylinderdruckverlusttest oder Kompressionsprüfung
Plötzliche und wiederkehrende ÜberhitzungIndirekt, entwickelt sich langsamHäufig, entwickelt sich schnellAllgemeine Prüfreihenfolge bei Überhitzung

Die Zeile zur Überhitzung ist allein nicht aussagekräftig: Bevor über Dichtung oder Ölkühler entschieden wird, werden Thermostat, Lüfter und Kühler geprüft; weitere Ursachen der Überhitzung und die Prüfreihenfolge sind im Beitrag zum überhitzenden Motor beschrieben.

Weitere Möglichkeiten bei Lkw-Motoren:

  • Nasse Zylinderlaufbuchsen: Bei Motoren dieser Bauart gelangt Kühlmittel direkt ins Kurbelgehäuse, wenn die unteren O-Ringe der Laufbuchsen undicht sind; im Kühlmittel ist dann kein Öl zu sehen, und der Verbrennungsgas-Test fällt meist negativ aus. Auch eine durch Kavitation durchlöcherte Laufbuchse kann Kühlmittel in den Zylinder oder ins Öl bringen.
  • Injektorhülse: Bei Motoren mit Hülsen kann der Kühlkreislauf unter Druck geraten, wenn Hülse oder Dichtung undicht sind; Kühlmittel und Kraftstoff können sich mischen.
  • Wassergekühlter Luftkompressor: Ist sein Zylinderkopf oder dessen Dichtung undicht, drückt der Kompressor Luft in den Kühlkreislauf; die Blasen werden dann für einen Zylinderkopfdichtungsdefekt gehalten. Die Wasserleitungen des Kompressors werden abgeklemmt, um diese Möglichkeit auszuschließen.
  • Wärmetauscher des hydraulischen Retarders: Bei einer Undichtigkeit gelangt Kühlmittel ins Getriebe- bzw. Retarderöl oder umgekehrt; zuerst wird geschaut, welches Öl verunreinigt ist.
  • AGR-Kühler: Bei Motoren mit Abgasrückführung kann eine innere Undichtigkeit des Kühlers ebenfalls weißen Rauch und Kühlmittelverlust ohne äußere Undichtigkeit verursachen.

Wie erkennt man einen defekten Ölkühler? Tests und Prüfreihenfolge

Ein defekter Ölkühler wird durch Sichtprüfung, Ölanalyse, Verbrennungsgas-Test, Druckprüfung des Kühlsystems und eine separate Druckprüfung des ausgebauten Kühlers bestätigt; die Reihenfolge beginnt mit den Prüfungen ohne Ausbau.

  • 1. Bei kaltem Motor werden Ölmessstab, Einfülldeckel und Ausgleichsbehälter geprüft. Zuerst werden äußere Undichtigkeiten ausgeschlossen: Kontrollbohrung der Wasserpumpe, Schläuche und Kühler.
  • 2. Aus Öl und Kühlmittel werden Proben entnommen. Die Laboranalyse des Öls zeigt Glykol und Spuren von Kühlmittelzusätzen wie Natrium und Kalium.
  • 3. Am Ausgleichsbehälter wird ein Verbrennungsgas-Test (CO2) durchgeführt; ändert die Testflüssigkeit die Farbe, ist Verbrennungsgas im Kreislauf. Ein positives Ergebnis weist auf Zylinderkopfdichtung, Riss im Zylinderkopf oder Injektorhülse, ein negatives auf Ölkühler und Laufbuchsen-O-Ringe.
  • 4. Bei kaltem Motor wird das Kühlsystem abgedrückt. Fällt der Druck ohne äußere Undichtigkeit, liegt eine innere Undichtigkeit vor. Der Prüfdruck überschreitet nicht den Öffnungsdruck des Verschlussdeckels; der Wert stammt aus der Herstellerdokumentation.
  • 5. Der Ölkühler wird ausgebaut, die Ölseite verschlossen und mit Druckluft beaufschlagt; das Element wird in einem mit Wasser gefüllten Gefäß auf Blasen untersucht. Sind Blasen zu sehen, wird das Element ersetzt; Prüfdruck und -dauer stammen aus der Herstellerdokumentation.
  • 6. Ist der Kühler dicht, aber Wasser im Öl, wird bei Motoren mit nassen Laufbuchsen die Ölwanne abgesenkt und der Kühlkreislauf unter Druck gesetzt; unter den Laufbuchsen, auf der Seite des Steuertriebs und in den Ölrückläufen wird nach Tropfen gesucht. Diese Phase ist Werkstattarbeit.

Sicherheit: Bei heißem Motor wird der Deckel des Ausgleichsbehälters nicht geöffnet; erst nach dem Abkühlen wird er langsam geöffnet, um den Druck abzulassen. Soll das Fahrerhaus gekippt werden, gelten die Herstellervorgaben; das Fahrerhaus wird verriegelt und gesichert. Der Lkw wird mit Keilen gesichert und die Feststellbremse angezogen; bei laufendem Motor wird Abstand zu Lüfter und Riemen gehalten. Beim Test mit Druckluft wird eine Schutzbrille getragen; Altöl und Kühlmittel werden getrennt gesammelt.

Ölkühler wechseln: Dichtungen, Leitungen und Reinigung der Kreisläufe

Ein gerissener oder durchlöcherter Ölkühler lässt sich weder durch Löten noch durch Kleben zuverlässig reparieren; er wird ersetzt, die Dichtungsteile werden erneuert und beide Kreisläufe gereinigt. Ist nur eine Dichtung am Deckel oder Gehäuse nach außen undicht, kann das Erneuern der Dichtung genügen. Dichtmittel für das Kühlmittel (Zusätze zum Abdichten kleiner Lecks) werden nicht empfohlen, weil sie Wärmetauscher und enge Kanäle verstopfen können.

Warum platzt ein Ölkühler?

  • Kühlmittel mit verbrauchten Schutzadditiven, falsches oder gemischtes Kühlmittel kann zu innerer Korrosion und Kavitation führen; Fremdstoffe im Kreislauf und Reste von Dichtmasse beschleunigen den Schaden.
  • Thermische Ermüdung und Vibration belasten in Verbindung mit raschen Temperatur- und Druckwechseln Platten und Lötverbindungen.
  • Klemmt ein Ventil, das den Öldruck begrenzt, in geschlossener Stellung, kann vor allem beim Kaltstart auf der Ölseite übermäßiger Druck entstehen.
  • Kühlmittel mit zu geringem Frostschutzanteil kann gefrieren und die Platten sprengen.

Wird die Ursache nicht beseitigt, kann auch der neue Ölkühler auf dieselbe Weise ausfallen.

Wechsel und Reinigung der Kreisläufe

Mit dem Kühler werden Gehäuse- und Deckeldichtungen sowie O-Ringe erneuert, also die Ölkühlerdichtungen. Dichtungen auf der Öl- und auf der Kühlmittelseite können aus unterschiedlichem Material bestehen; ihre Plätze werden nicht vertauscht, und die neuen Dichtungen der Kühlmittelseite werden nicht mit Öl benetzt. Die am Kühler angeschlossenen Ölkühlerleitungen und die Dichtungen der Verschraubungen werden geprüft, die Fläche des Kühlerdeckels wird auf Risse und Verzug untersucht; Anzugswerte stammen aus der Herstellerdokumentation.

Kühlmittelseite: Das ölhaltige Kühlmittel wird abgelassen; mit geeignetem Reiniger und sauberem Wasser wird gespült, bis das ablaufende Wasser klar ist. Gespült werden auch Kühler, Heizungswärmetauscher, Ausgleichsbehälter und, falls vorhanden, Zusatzheizung sowie die Heizleitung des AdBlue-Tanks. Thermostat und Schläuche werden geprüft, ölgetränkte Schläuche erneuert, ein vorhandener Kühlmittelfilter gewechselt. Danach wird vom Hersteller freigegebenes Kühlmittel im richtigen Mischungsverhältnis eingefüllt und das System entlüftet.

Ölseite: Öl und Filter werden gewechselt; nach kurzer Laufzeit werden Öl und Filter erneut gewechselt und das Ergebnis durch eine Ölanalyse bestätigt. Haupt- und Pleuellager sowie Turbolader werden in der Werkstatt geprüft; manche Hersteller sehen vor, den Lagersatz zu erneuern, wenn Kühlmittel ins Öl gelangt ist.

Die Arbeit erfordert bei den meisten Modellen das Kippen des Fahrerhauses und das Ablassen großer Flüssigkeitsmengen; die Standzeit wird deshalb vorab geplant. Bei unvollständiger Reinigung kann im Kreislauf verbliebenes Altöl den Eindruck erwecken, der Defekt bestehe trotz neuem Kühler fort.

Wann den Motor abstellen, und wie findet man das richtige Teil?

Bei Emulsion im Öl oder bei Überhitzung läuft der Motor nicht weiter; der Lkw wird an einem sicheren Ort angehalten und mit dem Abschleppwagen in die Werkstatt gebracht. Bei der Öldruckwarnung wird der Lkw sicher an den Rand gefahren und der Motor sofort abgestellt; emulgiertes oder verdünntes Öl gehört zu den Ursachen für einen Öldruckabfall. Auch wenn im Ausgleichsbehälter nur wenig Öl zu sehen ist, wird ohne gesicherte Diagnose keine lange Fahrt angetreten.

Für das richtige Teil werden OEM- bzw. Teilenummer des alten Kühlers oder des Fahrzeugkatalogs, Motortyp (Code), Fahrgestellnummer (VIN), Modelljahr und Ausstattung (Retarder, AGR) gemeinsam geprüft. In derselben Motorbaureihe gibt es Kühler mit anderen Abmessungen, Plattenzahlen und Anschlussarten; Dichtungen und O-Ringe werden zusammen mit dem Kühler besorgt. Bei der Auswahl eines Ölkühlers für den Lkw samt Zubehörteilen wird der Kühler über Motorcode und OEM-Nummer zugeordnet; auch die Suche im MPT-Katalog läuft über diese Nummer.